Die Sage vom Odel's Uwe

Mythos oder Wahrheit?

Felsenhöhle Odel's Uwe
Die Felsenhöhle "Odel's Uwe" (neu coloriert)

Versteckt in einer Waldschlucht zwischen Kronweiler und Nohen liegt eine besondere Felsenhöhle, die an einen Backofen aus früheren Zeiten erinnert. Im Volksmund ist dieser geheimnisvolle Ort als »Odel's Uwe« (Odels Ofen) bekannt. Um diese Höhle ranken sich gleich zwei verschiedene Sagen.

 

Die erste Legende: Die verstoßene Burgfrau

Die erste Variante der Sage erzählt von einer verstoßenen Burgfrau, der Gemahlin eines Ritters aus dem Nahegau. Sie soll in dieser Höhle ein einsames Leben in der Verbannung geführt haben, bis ihr reuiger Ehemann sie schließlich wieder auf sein Schloss zurückholte. Ihr einziges Gefolge in dieser harten Zeit war ein treues Huhn. Zur Fütterung lief das Tier täglich zu den anderen Hühnern nach Kronweiler hinab. Anschließend kehrte es aber immer wieder über das sogenannte »Hinkelspfädche« – einen Pfad, den die Dorfbewohner noch bis etwa 1960 nutzten – zur Höhle zurück, um der Unschuldigen dort ein Ei zu legen.

Die zweite Legende: Zuflucht im Dreißigjährigen Krieg

Die zweite Erzählung ist düsterer und greifbarer: Im Dreißigjährigen Krieg soll hier eine Frau namens Ottilie, genannt »Odilche«, gehaust haben. Nachdem ihre Angehörigen und die restlichen Dorfbewohner kriegerischen Überfällen und tödlichen Krankheiten zum Opfer gefallen waren, zog sie sich in die Höhle zurück. Dichtes Gebüsch machte ihr Versteck fast unauffindbar, und ein klares Bächlein spendete ihr frisches Trinkwasser. Zwei Hühner legten abwechselnd jeden Tag ein Ei und bewahrten das arme Weib so vor dem Hungertod. In diesem Versteck harrte Ottilie aus, bis wieder friedlichere und geordnete Verhältnisse ihre Rückkehr in die Zivilisation ermöglichten.

Was ist dran an den Sagen?

Historisch betrachtet entbehrt die Geschichte von der ritterlichen Gemahlin wohl jeglicher Grundlage und ist wahrscheinlich eher in Anlehnung an die bekannte Genoveva-Sage entstanden. Die zweite Version hingegen hat einen sehr realen, historischen Hintergrund. Während des Dreißigjährigen Krieges boten solch abgelegene und geschützte Plätze oft den einzigen Schutz für die Landbevölkerung, wenn keine rettenden Burgen oder befestigten Städte erreichbar waren. Es gilt daher als gewiss, dass der Odel's Uwe von hiesigen Bewohnern tatsächlich als Zufluchtsstätte genutzt wurde – was in späterer Zeit vermutlich zur Entstehung dieser Sagen führte.

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